Wildschweingatter

Die anrüchigen Wildschweingatter stammen ursprünglich aus der ehemaligen DDR. Nun soll auch eines in Elgg im Kanton Zürich gebaut werden. Bei der Arbeit im Gatter soll angeblich festgestellt werden, wie sich ein Jagdhund am Wildschwein verhält. Reagiert der Hund scharf oder zu ängstlich.

Die Wildschweine im Gatter sind handaufgezogen und an Hunde und Menschen gewöhnt. Von daher zeigen sie ein Verhalten, welches in der freien Wildbahn so nicht vorkommt. Schon gar nicht, wenn dann in der jagdlichen Praxis, bei Drück- und Treibjagden Angst und Panik der Tiere dazukommen.

Die Jagd mit den Hobby-Jäger hat versagt. In der Schweiz gibt es immer höhere und teils unerwünschte Wildschweinbestände. Im Jahr 2016 haben Schweizer Jäger 6’182 Wildschweine geschossen. Trotzdem mussten die Kantone den Bauern 3,5 Millionen Franken an Schäden erstatten; das ist doppelt so viel wie vor zehn Jahren. 2016 gab es im Kanton Genf mit den professionellen WildhüterInnen Wildschweinschäden von 25’350.– Franken. Im Kanton Zürich mit den Hobby-Jägern allerdings im gleichen Jahr Wildschweinschäden für 394’000.– und dabei ist Zürich nur 6 Mal grösser als Genf. Das eigentliche Jagdgebiet im Kanton Zürich ist sogar nur etwa 3 x grösser als der Kanton Genf! Was einem die Hobby-Jäger natürlich auch nicht sagen, ist, dass genau wegen ihren Treib- und Drückjagden viele orientierungslose Wildschweine in andere Gebiete flüchten und dort Probleme verursachen können.

Anders als z. B. im Kanton Genf mit professionellen WildhüterInnen, wollen Hobby-Jäger nun auch noch vermehrt mit abgerichteten und abnormalen Hunden Jagd auf Wildschweine machen.

Aus Erfahrungen in unseren Nachbarländern weiss man, dass auch mit Wildschweingatter weder die landwirtschaftlichen „Schäden“ noch die Population der Wildschweine im gewünschten Masse nachhaltig reduziert werden können. Bis heute gibt es denn auch keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass mittels Bejagung der Wildschweine durch Hunde das Ziel der „Regulierung“ (besser) erreicht werden könnte – auch wenn dies von Jagdverbänden und Behörden immer wieder gerne behauptet wird! Es besteht überhaupt keine Notwendigkeit, Wildschweine gezielt mit abnormal verhaltenden Hunden, deren Verhalten durch die Ausbildung im Wildschweingatter noch gefördert wird, zu jagen.

Bei den Drück- und Treibjagden der Jäger mit ihren Hunden sind Wildschweine sogar meist nur ein zufälliges Beiprodukt. Von Natur aus scheuen Hunde Wildschweine und verfolgen in der Regel Reh, Hase usw. Dabei wird natürlich das eine oder andere Wildschwein auch aufgescheucht und kann so geschossen werden. Diese tierquälerischen Bewegungsjagden haben jedoch sehr häufig angeschossene Tiere und lange Nachsuchen, gelegentlich auch Fehlabschüsse, verletzte Hunde usw. – und die Beunruhigung ganzer Lebensräume zur Folge. Und dies mit fraglicher langfristiger Wirkung auf die Wildschadensituation!

Für eine nachhaltige Schwarzwild-Dezimierung reicht das unprofessionelle Tun der Hobby-Jäger nicht aus. Immer wieder werden Leitbachen auf deren Drück- und Treibjagden erlegt – mit beträchtlichem Risiko. Dadurch kann die Rauschsynchronität in der Rotte gestört werden und es kann zur sogenannten Zweit- oder Nachrausche kommen. Sprich, das Ziel der Eindämmung der Population wird ins Gegenteil verkehrt und der Fortpflanzungstrieb stattdessen in der ganzen Rotte angekurbelt. 

Im Sommer, wenn die Wildschweine z. B. in den Maisfeldern sind, ist es sehr schwierig, an sie ran zukommen. Deshalb argumentieren Hobby-Jäger: Eine gezielte Bejagung mit auf Wildschweine spezialisierten Hunden sei effizienter und bringe höhere Schwarzwild-Strecken in kürzerer Zeit. Die Jagd im Hochsommer und z. B. im Maisfeld ist jedoch sinnlos, weil die Schweine zu diesem Zeitpunkt ohnehin im Überfluss leben und mit erhöhter Reproduktion sehr schnell auf die Bejagung reagieren.

Laut den Hobby-Jäger sollen Hunde gezüchtet und eingesetzt werden, die keine Angst mehr vor Wildschweine haben, – meist sind das Vertreter einiger weniger Rassen (z. B. Deutsche Glatt- und Rauhaar, Weimaraner, Jagdterrier, Rauhaardackel, Münsterländer und Wachtelhunde), und zwar meist aus sogenannten „Arbeitslinien“ der Hobby-Jäger, wo die Wildschärfe züchterisch, aber unnatürlich gefördert wird.

Die Aufgabe dieser Jagdhunde ist es, Wildschweine gezielt aufzustöbern, aus dem Versteck zu scheuchen und im Idealfall so zu stellen, dass sie sich dem Schützen „präsentieren“. Es darf hingegen NICHT die Absicht sein, dass diese Hunde mit dem Wildschwein kämpfen, es festhalten, verletzen oder gar töten – bei einem Kampf würden die meisten Hunde unterliegen. In der Realität mit den Jagdhunden der Hobby-Jäger zeigt die Praxis immer wieder, dass sich die Jagdhunde an verletzten Wildtieren verbeissen und der Hobby-Jäger seine helle Freude daran hat.

Kynologen wie Julika Fitzi vom Schweizer Tierschutz meint, solche Hunde würden widernatürlich auf Wildschweine „abgerichtet“ und dadurch auch eine grössere Gefahr für andere Tiere, z. B. Katzen u.a. Haustiere, Nutztiere usw.

Die Bejagung von Wildschweinen ist schwierig und zeitaufwendig. Dabei gilt: Je intensiver die Bejagung, desto produktiver der Bestand! Stark bejagte Lebensräume mit genug Versteckmöglichkeiten und Nahrungsangebot werden dauernd von Tieren aus benachbarten, weniger intensiv bejagten Regionen aufgefüllt. Ohne Bejagung würden sich die Wildschweinbestände durch die natürliche Lebensraumkapazität (Futtermenge, geeignete Rückzugsgebiete), Krankheiten und reduzierte Fruchtbarkeit selber stabilisieren. Die im Schweizer Mittelland ökologisch möglichen Wildschweinbestände (Nahrungsangebot Wälder und Kulturland) sind jedoch weitaus höher, als die Gesellschaft, insbesondere die Landwirtschaft, sie toleriert, schreibt der Schweizer Tierschutz in seinem Merkblatt „Wildschweine im Kulturland

Der ethische Aspekt dieser „Trainings“ in einem Wildschweingatter fällt natürlich auch ins Gewicht. Darf man Wildschweine einpferchen, nur um an ihnen die Bejagung ihrer wildlebenden Artgenossen zu üben? Eine Verletzungsgefahr besteht schon während der Trainings, die ebenfalls nicht ausschliessen, dass es auf einer Wildschweinjagd dann nicht doch auch zu schweren Unfällen kommen kann. Das Bundesamt für Umwelt BAFU sieht denn auch die Anwesenheit eines Tierarztes und von „Erste Hilfe-Material“ an jedem Trainingstag vor! Die Natur wird schon wissen, weshalb sie den meisten Hunden einen gesunden Respekt vor Wildschweinen „eingeimpft“ hat – andererseits muss man auch klar sagen, dass Wölfe durchaus Wildschweine jagen!

Der  Zürcher Tierschutz lehnt die Anlage auch ab, weil es 1. Stress und Verletzungsgefahr für Wildschweine und Hunde bedeutet, und 2. weil der Tierschutz grundsätzlich den Ansatz solcher Anlagen falsch findet: Der Tierschutz ist überzeugt, dass Bewegungs-/Treibjagden durch die vielen Fehlschüsse deutlich mehr Tierleid verursachen als gezielte Abschüsse durch Ansitzjagd, 3. solche Anlagen im nahen Ausland zur Verfügung stehen.

Der Schweizer Tierschutz (STS) hat unlängst ein Positionspapier veröffentlicht, was von der Ausbildung und Einsatz von Jagdhunden in der Schweiz zu halten ist. Nämlich rein gar nichts (ausser der Nachsuche).

Fazit:

Im Winter, ohne Dickicht und auf offenem Feld, lassen sich Wildschweine sehr gut auch vom Ansitz aus bejagen oder als „Beiwild“ im Rahmen normaler Bewegungsjagden, ohne gezielte Verfolgung durch Hunde, oder gar nur mit menschlichen Treibern. Die Jagd im Winter, während des Nahrungs-Engpasses, wäre von dem her gesehen auch sinnvoller, wenn man überhaupt Bestände durch Hobby-Jäger reduzieren möchte. Oder man macht es so, wie die professionellen WildhüterInnen im Kanton Genf – ohne abnormale Hunde. Dafür ethisch, effizient und sicher.

Für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine sind die Hobby-Jäger immer auch selbst verantwortlich. Die Hauptursache einer angeblichen Überpopulation und Schäden liegen an der falschen Bejagung wie z. B. der Leitbachenabschuss usw.. Die Hobby-Jäger haben genug Probleme im Kanton Zürich verursacht und noch keines nachhaltig gelöst!

Nicht nur aus Tierschutzgründen ist die Arbeit im Wildschweingatter abzulehnen. Es handelt sich um eine Ausbildungsmethode an lebenden handzahmen Wildschweinen, die ihr Leben in einem Gatter fristen und nach Gebrauch oder Untauglichkeit getötet werden.

Es stellt sich auch die Frage, was mit den Hunden passiert, die im Schwarzwildgatter nicht die erwünschte Leistung zeigen bzw. denen eine Untauglichlichkeit für die Wildschweinjagd attestiert wird. Es steht zu befürchten, dass viele dieser Hunde trotzdem zum Einsatz kommen oder vom Jäger als unbrauchbar entsorgt werden. Das jägerische Zuchthundewesen und diesbezüglicher Handel gilt es ganz kritisch zu hinterfragen und im Auge zu behalten! Viele dieser Jagdhunde sind ganzjährig in erbärmlichen Zwinger eingesperrt oder an der Leine gehalten werden, da der intensiv angezüchtete Jagdtrieb nur während der Jagd erwünscht ist. Also auch kein schönes Hundeleben.

Es gibt genügend Wildschweingatter nicht weit von der Schweizer Grenze entfernt. Es ist heute gang und gäbe, dass man sich im Ausland aus- und weiterbildet oder Fremdländische diesbezüglich zu uns über die Grenze fahren.

Das Wildschweingatter in einer kommunalen Landschaftsschutzzone und in einem Wald ist nicht zonenkonform. In solchen Zonen sind nur Anlagen und Bauten zulässig, welche Betriebsnotwendig sind und der Bewirtschaftung dienen. Jagdleidenschaft ist jedoch kein Auftrag der Gesellschaft oder Recht und kann es auch nicht sein.

Andere Gebiete und Städte verwenden als Alternative zu der brutalen Gewalt der Hobby-Jäger z. B. Geburtenkontrolle usw. bei Wildschweinen.

Deshalb sagen wir klar NEIN zu dem Vorhaben der Hobby-Jäger in Elgg im Kanton Zürich ein Wildschweingatter zu betreiben, insbesondere auch, weil demnächst die Bevölkerung über die Initiative „Wildhüter statt Jäger“ abstimmen darf.

Die Amateur-Jäger haben bereits vorgängig zu Elgg ein gleiches Projekt in Zusammenarbeit mit der kantonalen Jagdverwaltung Aargau ausgearbeitet und der Abteilung Wald des Kantons unterbreitet. Doch der Kanton Aargau hat entschieden, dass er dieses Projekt aus gutem Grund ebenfalls nicht bewilligt.

Medien:

Zürcher Unterländer: „Wir wollen weniger Tierleid“

NZZ: Tierschützer wollen Jagdhund-Übungsanlage in Elgg abschiessen

Wild beim Wild: Wildschweingatter im Kanton Zürich geplant

Update 3.11.2017: Erfolg

Wildschweingatter in Elgg sistiert

UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE INITIATIVE

Postkonto: 60-727992-4
IBAN: CH74 0900 0000 6072 7992 4
Vermerk: Wildhüter statt Jäger

Tierpartei Schweiz (TPS)
Luzernerstrasse 91
5630 Muri