Pressekonferenz Jagd Zürich

Am 24.10.2017 fand eine vom Verein Jagd Zürich, der die Amateur-Jäger im Kanton vertritt, organisierte Pressekonferenz in Zürich statt.

Das Initiativkomitee der Initiative „Wildhüter statt Jäger“ nimmt dazu mit Fakten für das Tier- und Allgemeinwohl wie folgt Stellung:

Ausgangslage:

Auch im Vorfeld zur Volksabstimmung für das Jagdverbot im Kanton Genf 1974, versuchten die gleichen Kreise aus Amateur-Jäger, Bauern und Mitläufer den Teufel an die Wand zu malen. Über 40 Jahre später, kann man zu Recht sagen, dass nichts von deren Angstmacherei eingetroffen ist. Denn: Jagd bedeuted oftmals nicht weniger Wild, sondern mehr Geburten. Jagd reguliert nicht im Sinne natürlicher Häufigkeit von Wildtierpopulationen, sondern schafft überhöhte oder unterdrückte Bestände. Wenn immer mehr Wildtiere von bestimmten Arten geschossen werden, weil es immer mehr gibt, müssen dann noch mehr geschossen werden, damit es weniger werden?

Wildtiermanagement in Genf:

Es ist völlig abstrus von Christian Jaques, Präsident von Jagd Zürich, in den Medien zu behaupten, dass das Genfer Modell gescheitert sei.

2004 machte das Institut Erasm eine Umfrage in der Bevölkerung im Kanton Genf. Knapp 90 % waren dagegen, dass Hobby-Jäger wieder sinnfrei ihrem blutigen und tierquälerischen Hobby nachgehen dürfen. 2009 kam es im Kantonsrat in Genf zu einem Vorstoss, um über die Wiedereinführung der Jagd abzustimmen. Mit 71 zu 5 bei 6 Enthaltungen wurde dem klar eine Abfuhr erteilt. Das Jagdverbot von 1974 für Hobby-Jäger wird von der Bevölkerung und der Politik bis heute enthusiastisch unterstützt und hat sich dynamisch weiterentwickelt. Die Bevölkerung von Genf hat längst realisiert, dass auch sie von einer wieder erlebbaren Tierwelt, grösseren Biodiversität und weniger Umweltschmutz durch die Hobby-Jäger usw. (siehe Vorteile der Initiative) profitiert.

Der kleine aber Hobby-Jagd sterile Kanton Genf hat heute z. B. schweizweit die höchsten Feldhasenbestände – nicht der Kanton Zürich. Der Kanton Genf hat noch Rebhühner. Am Jagd-freien Genfersee haben international Ornithologen Freude, weil sie seltene Vogelarten beobachten können usw. Verglichen mit anderen Kantone sind Reh- und Wildschweinbestände im Kanton Zürich überproportional vorhanden, ja förmlich explodiert. Das ist kein Naturverständnis. Jahr für Jahr scheitern auch die Hobby-Jäger im Kanton Zürich, den Wald, Landwirtschaft usw. vor grossen Schäden zu bewahren.

Sanitarische bzw. therapeutische Abschüsse der WildhüterInnen sind nicht das Gleiche, wie eine regulatorische Bejagung anhand des Jägerlateins oder falsch verstandener Naturerfahrung! Selbstverständlich werden die WildhüterInnen im Kanton Zürich bei Hotspots regulatorisch eingreifen können. So steht es im Initiativtext!

Aufgrund des hohen Jagddrucks im umliegenden Frankreich und Kanton Waadt suchen Wildtiere sogar Asyl in Genf. Die gejagten Tiere schwimmen teilweise über die Rhône in den Kanton Genf. Die Wildtiere in Genf werden von etwa einem Dutzend professionellen Umwelthüter betreut (Kosten 600’000 pro Jahr). Diese Naturschützer erledigen auch eine Vielzahl von anderen Aufgaben wie, Überwachung der Fischerei, die Kontrolle der Naturreservate, Wildschadenverhütung sowie besondere Aufgaben bezüglich des Waldes und der Landwirtschaft.

Was früher im Kanton Genf über 400 Jäger auch nicht besonders erfolgreich gemacht haben, erledigen heute diese WildhüterInnen (3 Vollzeitstellen) nebst vielen anderen Aufgaben vorbildlicher. Aus dem Kanton Genf weiss man auch, dass nicht nur die Überwachung, Monitoring etc. der 400 Hobbyjäger eine enorme finanzielle Belastung war. Der Aufwand für den Steuerzahler ist also nicht zwingend höher als vor dem Jagdverbot von 1974.

Wildschweinschäden

Im Jahr 2016 gab es im Kanton Genf mit den professionellen WildhüterInnen Wildschweinschäden von 25’350.– Franken. Im Kanton Zürich mit den Hobby-Jägern allerdings Wildschweinschäden für 394’000.– Franken. Dabei ist der Kanton Zürich mit 1’729 km² Fläche nur 6 mal grösser als der Kanton Genf mit seinen 282 km². Die jagdbare Fläche im Kantonsgebiet von Zürich ist sogar nur 950 km².

Die Wildschäden für die Landwirtschaft seien praktisch unbedeutend, meint der Wildhüter Gottlieb Dandliker aus Genf dazu. Der Kanton gebe 250.000 Franken pro Jahr für Prävention aus, dazu 350.000 Franken pro Jahr für Wildschäden, wofür mehrheitlich die Tauben verantwortlich sind. Insgesamt müsse der Kanton 1,2 Millionen Franken pro Jahr für das Wildtiermanagement aufbringen, das entspreche einer Tasse Kaffee pro EinwohnerIn, oder einer Subvention der Landwirtschaft von etwas über 3 %. Im Vergleich dazu würde die Fischerei wesentlich mehr Kosten verschlingen, obwohl da Lizenzen verkauft werden. Dandliker sieht daher die momentane Methode als die billigste Alternative für den Kanton und sehr leicht auf lange Sicht finanziell tragbar.

Wildunfälle:

Im Kanton Zug sind z. B. drei Wildhüter angestellt. Diese sind für den ganzen Kanton zuständig und betreiben rund um die Uhr einen gut funktionierenden Pikettdienst während 365 Tagen im Jahr bei Wildunfälle. Im Kanton Bern schlafen die Wildhüter sogar noch ruhiger. Denn: Fährt ein Autofahrer ein Wildtier an, kommen nicht Amateur-Jäger oder Wildhüter, sondern die Polizei, die bei einem Unfall eh schon vor Ort ist und erledigt, was erledigt werden muss. Das entlastet die Wildhüter und vor allem die Kantonskasse. Es gibt also durchaus grosses Spar- und Optimierungspotenzial im Jagdunwesen, wenn man möchte.

Wildbiologie

„In der Schweiz finde die Jagd heute schon im Rahmen eines wissenschaftlich und wildbiologisch basierten Wildtiermanagements statt„, sinnierte die Wildtierbiologin Jasmin Schnyder an der Pressekonferenz von Jagd Zürich.

Untersuchungen in verschiedenen Ländern und zu verschiedenen Zeitpunkten haben den Einfluss des Rotfuchses nicht nur auf die Rehpopulation belegt: Für das Berner Mittelland wird geschätzt, dass ein Fuchs in den Monaten von Mai bis Juli durchschnittlich elf Kitze erbeuten kann (Fred Kurt: Das Reh in der Kulturlandschaft. Ökologie, Sozialverhalten, Jagd und Hege. Kosmos Verlag, Stuttgart 2002, S. 83). Im Kanton Zürich werden aber jedes Jahr über 2’000 gesunde Füchse von den Hobby-Jäger zum Spass erschossen, was ganz sicher auch nicht im Sinne des Tierschutzes, Wildbiologie, Gesellschaft, Wissenschaft usw. liegt. Die Amatuer-Jäger im Kanton Zürich verbreiten bei einer genauen Analyse sogar Krankheiten.

Was genau „wissenschaftlich und wildbiologisch“ auf der Jagd sein soll, hat die Wildtierbiologin Jasmin Schnyder von Fornat nicht erläutert. Die unsinnige Fuchsjagd erklärt aber auch den hohen Rehbestand und die damit hohe Anzahl an Wildunfällen nur mit Rehe (1’500 pro Jahr) im Kanton Zürich und die damit verbundenen Kosten. Gleichzeitig klagen die Bauern über Mäuseplagen usw. und streuen auf ihren Feldern Gifte aus, welche die Menschen, Umwelt und Tierwelt schädigen.

Angebliche Fachleute aus den eigenen Reihen der Jäger und „Wildbiologen“ meinen zur Thematik sogar: „Nötig ist die Niederjagd nicht, aber berechtigt. So könne man sich auch fragen, ob es sinnvoll sei, Beeren und Pilze im Wald zu sammeln“, – Robert Brunold, Präsident des Bündner Patentjägerverbands. Oder der Dachverband der Jäger JagdSchweiz ist überzeugt: „JagdSchweiz weiss, dass sich Wildtierbestände grundsätzlich – auch in unserer Kulturlandschaft – von selber regulieren würden“.

Wir haben beobachtet, dass Fuchsmütter dort, wo man die Tiere jagt, mehr Junge zur Welt bringen. Man könne zwar mit einem Abschuss punktuell eine Entlastung schaffen, doch in Kürze werden die freien Reviere wieder eingenommen. Die Natur reguliert das selbst. – Wildhüter Fabian Kern – Tagi

Wald:

Niemand richtet mehr Schaden am Wald an, als der Mensch. Ständig werden aus Gier und Unwissen Bäume gefällt. Ganze Parzellen plattgemacht, mit der Ausrede der Waldverjüngung. Die richtige Art der Waldbewirtschaftung hat einen viel grösseren Einfluss auf dessen Schutz. Der Wildverbiss ist dabei nur untergeordnet ein Problem. Dennoch werden die Probleme im Wald den Wildtieren zugeschoben, obwohl keine grosse Anstrengungen für Schutzmassnahmen gegen den Wildverbiss unternommen werden. Wildverbiss entsteht hauptsächlich durch die Jagd (die Wildtiere werden von den Jägern im Wald parkiert) und durch touristische Erschliessungen des Waldes für Freizeitaktivitäten. Die Regulation der Wildtierbestände erfolgt nicht durch die Jagd. Die Jagd ist meistens die Ursache angeblicher Probleme. Die einseitige Ausrichtung und Ertragsmaximierung führt dazu, dass Waldeigentümer ein wirtschaftliches Interesse an der Dezimierung der Wildtierpopulationen haben. In einem natürlichen Wald gibt es keine „Schäden“ durch Wildtiere. Im Kanton Zürich gibt es schon lange keinen natürlichen Wald mehr, wo die Forstleute ihre Finger im Spiel haben, sondern Baumplantagen.

In einzelnen Gebieten im Kanton GE und in vielen Jagdbezirken in der Schweiz so auch z. B. im Gebiet Pfannenstiel vom Kanton Zürich befinden sich teils mehr als 25 % der Waldfläche in der gutachtlichen Stufe 3  mit eindeutig untragbaren Schäden. Der Kanton Genf hat einen Waldanteil von 12.1 %  der Kanton Zürich von 28.7 %.

Fazit:

Für die staatlichen Wildhüter gibt es, wie bei ihrem Vorbild im Kanton Genf, oder der Stadt Zürich keinen Grund mehr, tierquälerische Jagdmethoden wie die Bau-, Treib-, Drückjagd usw. zu praktizieren. Viele im Kanton Zürich praktizierte Formen der Jagd und Jagdhundeausbildungsformen sind immer noch klar tierschutzwidrig. WildhüterInnen müssen zudem nüchtern im Dienst sein. Hobby-Jäger wehren sich vehement gegen ein Alkoholverbot auf der Jagd. WildhüterInnen gehen mit 65 spätestens in Pension. Die grösste Altersklasse bei den Amateur-Jäger sind wohl die, wie in Deutschland auch, mit 65+, jene mit Alters-, Seh-, Konzentrations- und Reaktionsschwächen sowie Ausbildungs- und Trainingsdefiziten.

Praktisch alles was, grausam, unnötig und herzlos ist, ist heute immer noch jagdgerecht. Das Revierjagdsystem und Jagdgesetz im Kanton Zürich hat sich seit bald 100 Jahren nicht wirklich bewährt und ist ein unwissenschaftlicher, tierschutzwidriger und ökologischer Flickenteppich. Jäger stören das ökologische Gleichgewicht.

Insbesondere bei der Jagd und den Amateur-JägerInnen ist es überaus elementar, dass die Bevölkerung ganz genau hinschaut. Nirgendwo wird so viel mit Unwahrheiten und Fake-News manipuliert. Gewalt und Lügen gehören zur gleichen Münze. Die Jagd, nicht nur im Kanton Zürich, ist seit Jahrzehnte nichts anderes als eine permanent kostenintensive Baustelle und Streitpunkt für die Politik, Forst, Landwirtschaft, Verwaltungen, Justiz, Krankenkassen, Versicherungen, Tierschutzorganisationen, Umwelt- und Naturschutzorganisationen, Polizei, Bund, Medien usw. So viele WildhüterInnen braucht der Kanton Zürich gar nicht, um die Schäden und Kosten mit der Abschaffung der Hobby-JägerInnen locker kompensieren zu können.

Ein kleiner Auszug an Vorteile der Initiative „Wildhüter statt Jäger“ für Wald, Umwelt, Bevölkerung, Finanzen, Tierschutz usw. finden Sie hier: Vorteile der Initiative

Pressekonferenz in den Medien:

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Tierpartei Schweiz (TPS)
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