Treib- und Drückjagden

Die tierquälerischen Treib- und Drückjagden haben sich auch im Kanton Zürich perfide ausgebreitet.

Eigentlich müssten die Hobby-Jäger für die Initiative „Wildhüter statt Jäger“ dankbar sein. So können sie sich endlich vollumfänglich der Biotoppflege, dem Hecken pflanzen, Wald von ihren Munitionsresten säubern, Magerwiesen anlegen, illegale Hochsitze rückbauen usw. widmen und die letale Gewalt den Profis überlassen. Damit ist weniger Tierleid garantiert und wie mit den Wildhüter der Stadt Zürich oder im Kanton Genf wird ethisch, effizient und sicher gearbeitet.

Ein Erlebnisbericht aus meinem Joggingwald

Viel motorisierter Verkehr auf der eigentlich mit einem Fahrverbot belegten Zufahrtsstrasse zur Jagdhütte: ein untrügliches Zeichen, dass Treibjagd, Pardon Gesellschaftsjagd, angesagt ist.

Treibjagd Zürich

Treibjagd Zürich

Ich bin mit meinem Fahrrad auf öffentlichen Wegen ebenfalls unterwegs und möchte mir eine Vorstellung vom Geschehen machen. Nach dem Mittagessen bei der Jagdhütte kommt Bewegung in den Wald: Die Schützen suchen die vorbereiteten Schiessplätze auf. Erkennbar sind diese an den aufgehängten rot-weissen Markierungsbändern oder an den Abschusskanzeln,

Treibjagd Zürich

Treibjagd Zürich

welche bei uns ganzjährig im Wald stehen. Etwas weiter hinten treffe ich auf die auffällig, meist orange, gekleideten Treiber mit Stöcken und einem frei laufenden Hündchen. Ich fahre, argwöhnisch beobachtet, dem Weg entlang, auf welchem sie sich mit regelmässigen Abständen aufstellen und auf das Startzeichen warten. Erstaunlicherweise erkenne ich auch eine Stadträtin (SP!!) und ein Stadtrat (FDP) welche sich nicht zu schade sind, in den Dienst der Jäger zu stellen.

In unserem Wald, dürfen Treibjagden, wie mir der Jagdaufseher erklärte, mit einer Ausnahmebewilligung seit dem Lotharsturm von 2000 mit zwölf anstatt wie im Jagdgesetz vorgesehen sechs Treibern durchgeführt werden.

Treibjagd Zürich

Treibjagd Zürich

Grund sei, dass sich die zu erlegende Anzahl Tiere mit nur sechs Treibern nicht realisieren lasse. Da sich die Rehe seither wegen dem verbesserten Nahrungsangebot vermehrt im Wald und nicht mehr am Waldrand aufhalten könne mit der Ansitzjagd nicht mehr viel erlegt werden. Ein Jagdhorn ertönt und gleichzeitig setzt sich der Trupp, begleitet von Rufen und Schlagen mit den Stöcken an Bäume in Bewegung. Ich bewege mich etwas vorgerückt auf dem Wanderweg in die gleiche Richtung und treffe bald auf die ersten erwartungsvollen Jäger. Auch von diesen werde ich irritiert zur Kenntnis genommen und auf die aktuellen Gefahren aufmerksam gemacht. Offenbar ist man sich Publikum nicht gewohnt. Von Rehen ist keine Spur. Ich warte wieder auf die Treiber, werde fotografiert und nach dem Grund meiner Anwesenheit gefragt.

Treibjagd Zürich

Treibjagd Zürich

Ich lasse mich auf keine Diskussionen ein und bleibe wortkarg. So fahre ich noch einige Male zwischen Jägern und Treibern hin und her und nur einmal ertönen zwei Schüsse vom entfernten Ende des Waldes. Nachdem der vorgesehene Streifen konsequent durchkämmt worden ist, treffen sich Jäger und Treiber am Waldrand. Verpflegung wird herangefahren und während der Pause wird eifrig gefachsimpelt. Ich treffe auf einen ehemaligen Nachbarn, der mir mit gespielter Emotionslosigkeit versichert, Jagd müsse halt sein. Da mir kein Bier angeboten wird, beschliesse ich einen Besuch bei der Jagdhütte zu machen. Dort finde ich dann auch die Beute vom Vormittag, bereits ausgenommen und aufgehängt.

Treibjagd Zürich

Treibjagd Zürich

Ein trauriger Anblick und ein unnötiger und unwürdiger Tod dieser grazilen, scheu gemachten Rehe. Auch die Überreste vom Mittagessen stehen noch herum und ich bezweifle, ob wirklich alle Getränke, wie das die Jäger gern behaupten, ohne Alkohol waren.

Treibjagd Zürich

Treibjagd Zürich

Treibjagd Zürich

Treibjagd Zürich

Betrübt radle ich durch den Wald zurück. Die „Gesellschaft“ hat sich von weitem hörbar wieder auf eine weitere mordende Tour durch den Wald aufgemacht und ich verspüre keine Lust mehr mitzuverfolgen. So bleibt mir auch erspart zu sehen, wie eine doppelte Ladung, vermutlich bleihaltiges Schrot, auf ein Reh wirkt. Nun ist mir auch klar, weshalb ich in „meinem“ Wald kaum mehr Rehe antreffe. (Urs Arter)

Treib – Drückjagd

In folgenden Risiko-Situationen ist die Wahrscheinlichkeit schlechter Treffer erhöht:

  1. Schüsse auf bewegte Ziele
  2. fehlende Schiesspraxis
  3. mentaler Druck
  4. erschwerte äussere Umstände
  5. Zustand des Hobby-Jägers

Eine Art der Jagd scheint für alle diese Risikofaktoren besonders anfällig zu sein: die Bewegungsjagd (Treibjagd, Drückjagd, Gesellschaftsjagd).

Die Jagd, durchgeführt mit Spürhunden, Gruppen von Jägern und Treibern, ist eine tierquälerische Art, Wildtiere mit Hunden zu Tode zu hetzen. Vielfach reissen die Hunde das Reh, verbeissen sich und reissen ihm ganze Stücke (meistens am After) bei lebendigem Leib heraus. Da die Rehe ein kleines Herz besitzen, sind sie nicht in der Lage weitere Strecken zu fliehen. Sie müssen immer wieder anhalten und so haben die Hunde eine gute Chance zuzubeissen, wenn das Reh nicht schon vorher einen Herzstillstand erleidet. Bei der Treibjagd werden alle unbeteiligten Tierarten in Angst und Panik versetzt.

Diese Art von Jagdpraktiken ist moralisch absolut verwerflich, für die Wildtiere, sowohl auch für die Hunde. Sie sind abgerichtet auf die Wildtiere und sind nach einer Treibjagd erschöpft und überfordert.

Die Treibjagd hat Event-Charakter, wo auch von nah und fern Tierstörer eingeladen werden und ganze Regionen mit unzähligen unbeteiligten Tierarten in Todesangst und Panik versetzt werden (niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen § 1 TierSchG). Treibjagd ist sehr wohl eine Hetzjagd, denn es wird absichtlich und systematisch unnatürlicher Lärm und Unruhe in der Natur produziert. Viele Wildtiere verletzen sich aus panischer Angst auf der Flucht.

Gejagte Wildtiere, sondern in Angstsituationen gesundheitsschädigende Angsthormone ab, die sich im Fleisch zusammen nebst anderen hochgradigen Giften, wie Reste der bleihaltigen Munition, manifestieren. Die Todesangst geht also ins Gewebe ein und wird vom Menschen im Wildbret gegessen.

Da noch immer mit Schrot geschossen wird, ist nicht nur der Waldboden mit Blei verseucht, sondern auch die verendeten Tiere sind kontaminiert, welche als nicht gefundene Kadaver Lebensgrundlage bzw. den Tod für andere Tiere sind und so das Blei in die ganze Nahrungskette übergeht.

Die Jagd muss so durchgeführt werden, dass die Beeinträchtigung des Wildes (Flucht, Angst, Verletzungen) möglichst gering bleibt. Der geringste Stress für das Tier ist bei der Ansitzjagd zu erwarten, bei welcher das Tier den Jäger in der Regel nicht bemerkt. Hier bleibt meist genügend Zeit, um sicher und korrekt schiessen zu können. Wesentlich mehr beeinträchtigt eine Treibjagd mit oder ohne Hunde das Wild.