Jäger verbreiten Krankheiten

Und wieder wurde in einer Studie bewiesen: wer Angst vor Krankheiten wie der Lyme-Borreliose oder dem sogenannten Fuchsbandwurm hat, sollte sich mit aller Deutlichkeit gegen die Jagd aussprechen.

Weniger Füchse, weniger Fuchsbandwurm, also auch weniger Infektionsrisiko für den Menschen. Auf den ersten Blick eine plausible Schlussfolgerung, aber bei einer genauen Analyse eben doch nur Jägerlatein, wie mehrere internationale Studien belegen.

Die gleiche Erfahrung wurde auch schon mit der Tollwut gemacht. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass selbst bei einem Abschuss von drei Vierteln eines Bestands im nächsten Jahr wieder die gleiche Zahl an Tieren da ist. Die schweizerische Tollwutzentrale folgerte daher, dass eine jägerische Reduktion von Fuchspopulationen offensichtlich nicht möglich und die Jagd zur Tollwutbekämpfung sogar kontraproduktiv sei. Wie wir heute wissen, konnten erst tierfreundliche Impfköder die terrestische Tollwut besiegen – sie gilt heute in der Schweiz seit 1998 und in weiten Teilen Europas als ausgerottet.

Der Schweizer Kanton Wallis wurde z. B. durch Impfaktionen 1981 tollwutfrei. Diese Aktion kostete das Wallis 106.800 Franken im Jahr, während der angrenzende Kanton Bern – flächenmässig nur wenig grösser – 818.148 Franken für die Tötung einer grossen Zahl von Füchsen und für die Impfung des Viehs ausgab, ohne die Tollwut einzudämmen. Auch wird der Fuchsbandwurm immer wieder zur Angstmacherei beigezogen. In der Schweiz erkranken lediglich nur ca. 8 – 10 Menschen pro Jahr am Fuchsbandwurm. Der Fuchs ist der natürliche Feind von Rötel- und Feldmäusen diese können durch ihren Kot, Urin auch den sich stark verbreitende Hantavirus auf den Menschen übertragen. Davon sprechen die Jäger aber nie. Der Fuchs ist als Waldpolizist unersetzlich, sie fangen hauptsächlich Mäuse – zum Nutzen der Land- und Forstwirtschaft -, denn dort werden sonst vermehrt Gifte eingesetzt.

Jägerinnen und Jäger helfen also nicht bei der Erkennung und Bekämpfung von Wildtierkrankheiten und Seuchen. Sie schützen somit auch keine Nutz- und Haustiere sowie den Menschen, sondern bringen diese in Gefahr. Die Amateur-Jäger sind generell in allen Bereichen immer auch die eigentlichen Mitverursacher etwaiger Probleme.  Das Motto der Jäger „Nur ein toter Fuchs ist ein guter Fuchs“ ist Tier-verachtend.

Gerade in einem dicht besiedelten Gebiet, wie dem Kanton Zürich, ist die Einführung eines zeitgemässen Wildtiermanagement wie es die Initiative „Wildhüter statt Jäger“ vorsieht, erwünscht, um wieder Recht und Ordnung im Kanton zu etablieren. Weniger Amateur-Jäger sind eine hohe Garantie für weniger Dichtestress (Burnout usw.) für die Wildtiere. Entstresste Wildtiere sind weniger krankheits- und verhaltensauffällig, eigentlich genau gleich wie bei den Menschen auch. Im flächenmässig fast doppelt so grossen Kanton Waadt (3’212 km²) sind über 50 % weniger Amateur-Jäger unterwegs, als im Kanton Zürich (1’729 km²).

Mit der laufenden Verbreitung von Echinococcus multilocularis (Fuchsbandwurm) in Europa suchen Gesundheitsbehörden die effektivste Lösung, um die Bevölkerung zu schützen. Die Fuchsjagd der Amateur-Jäger ist dabei ein Werkzeug welches – angeblich laut Jagd Zürich einen gesunden Wildtierbestand garantiert – zu einem Pseudo-Gesundheitsmanagement mutierte. In Europa liegt der Verbreitungsschwerpunkt in Mitteleuropa, vor allem in der Schweiz (Schwerpunkt Ostschweiz). 

In einer brandneuen Studie aus Frankreich wurde 4 Jahre lang wissenschaftlich untersucht, ob die Jagd als Massnahme gegen den Fuchsbandwurm (bzw. zum Schutz der Menschen vor einer Ansteckung) sinnvoll ist. Dafür wurde in einem knapp 700 Quadratkilometer grossen Gebiet bei der Stadt Nancy die Jagd auf Füchse deutlich intensiviert. 1’700 Stunden wurden in der Nacht auch von Autos heraus Füchse beschossen, was zu einem Anstieg der Jagdstrecke um 35% geführt hat. Dieses Gebiet wurde anschliessend mit einem anderen Gebiet ohne intensivierte Jagd verglichen.

Das Ergebnis ist eindeutig:

  1. Die Fuchspopulation wurde durch die drastisch intensivierte Bejagung im Testgebiet NICHT verringert.
  2. Der Fuchsbandwurm breitete sich im intensiv bejagten Testgebiet aus, anstatt reduziert zu werden: Die Befallsrate stieg sogar von 40 % auf 55 % deutlich an, während sie im Vergleichsgebiet im gleichen Zeitraum konstant blieb.
  3. Anstelle der offensichtlich nicht nur sinnlosen, sondern sogar kontraproduktiven Jagd, die laut Studie zudem sehr zeitintensiv, kostenintensiv und ökologisch sowie ethisch fragwürdig ist, wird im Bedarfsfall die Behandlung von Füchsen mit Entwurmungsködern empfohlen.

Wie andere Studien (z. B. aus dem Landkreis Starnberg) eindrucksvoll gezeigt haben, können diese Entwurmungsköder die Befallsrate von Füchsen mit dem Fuchsbandwurm effektiv auf nahezu Null Prozent senken.

Abriss der Original Studie:

With the ongoing spread of Echinococcus multilocularis in Europe, sanitary authorities are looking for the most efficient ways of reducing the risk for human populations. Fox culling is one particular tool that has recently shifted from predation control to population health management. Our study aims to assess the effectiveness of this tool in limiting E. multilocularis prevalence in fox populations in France. During four years, a culling protocol by night shooting from cars was implemented around the city of Nancy (eastern France) representing ∼1700 h of night work and ∼15,000 km driven. The 776 foxes killed represented an overall increase of 35% of the pressure on the fox population over 693 km2. Despite this consequent effort of culling, not only did night shooting of foxes fail to decrease the fox population, but it resulted in an increase in E. multilocularis prevalence from 40% to 55% while remaining stable in an adjacent control area (585 km2). Though no significant change in age structure could be described, an increase in immigration and local recruitment is the best hypothesis for population resilience. The increase in prevalence is therefore considered to be linked to a higher rate of juvenile movement within the culled area shedding highly contaminated faeces. We therefore advocate managers to consider alternative methods such as anthelmintic baiting, which has been proven to be efficient elsewhere, to fight against alveolar echinococcosis.

Die Veröffentlichung der neuen Studie trägt die passende Überschrift „Echinococcus multilocularis management by fox culling: An inappropriate paradigm“:

Eine ähnliche Studie hat erst vor kurzem gezeigt, dass die Bejagung von Füchsen die Ansteckungsgefahr mit der Lyme-Borreliose durch Zecken erhöht. Lebensraumzerstückelung, die Jagd und die damit verbundene Vertreibung von grösseren Beutegreifern, passen in diese Theorie, sagt Dr. Levi und meint, dass sich das öffentliche Gesundheitswesen dazu bewegen muss, Beutegreifer wie den Fuchs zu schützen.

Die Amateur-Jäger schiessen aber 2’000 – 3’000 Füchse pro Jahr im Kanton Zürich, angeblich im Namen der Wissenschaft und Wildbiologie bzw. des Jägerlateins.

Wir haben beobachtet, dass Fuchsmütter dort, wo man die Tiere jagt, mehr Junge zur Welt bringen. Man könne zwar mit einem Abschuss punktuell eine Entlastung schaffen, doch in Kürze werden die freien Reviere wieder eingenommen. Die Natur reguliert das selbst. – Zürcher Wildhüter – Tagesanzeiger

Mit diesen beiden Veröffentlichungen haben wir nun zwei weitere aktuelle wissenschaftliche Studien, die klar belegen, dass die Bejagung von Füchsen Krankheiten nicht bekämpft, sondern deren Ausbreitung und das Risiko einer Ansteckung (auch für Menschen) erhöht. Die Fuchsjagd dient somit keinesfalls dem Allgemeinwohl, wie Jagd Zürich dies fälschlicherweise immer wieder behauptet, sondern stellt vielmehr eine erhebliche Gesundheitsgefahr für Menschen und Tiere dar.

Die sinnlosen, grausamen und gefährlichen Jagden der Amateur-Jäger müssen endlich abgeschafft werden, um Kosten – nicht nur im Gesundheitswesen – zu sparen.

Insbesondere bei der Jagd und den Amateur-JägerInnen ist es überaus elementar, dass die Bevölkerung ganz genau hinschaut. Nirgendwo wird so viel mit Unwahrheiten und Fake-News manipuliert. Gewalt und Lügen gehören zur gleichen Münze. Die Jagd, nicht nur im Kanton Zürich, ist seit Jahrzehnte nichts anderes als eine permanent kostenintensive Baustelle und Streitpunkt für die Politik, Forst, Landwirtschaft, Verwaltungen, Justiz, Krankenkassen, Versicherungen, Tierschutzorganisationen, Umwelt- und Naturschutzorganisationen, Polizei, Bund, Medien usw. So viele WildhüterInnen braucht der Kanton Zürich gar nicht, um die Schäden und Kosten mit der Abschaffung der Hobby-JägerInnen locker kompensieren zu können.

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